"Betongold" nicht weiter forcieren
Plan für Luxuswohnungen muss sehr kritisch weiterdiskutiert werden
An der Adresse Innstraße 115 hat die Investmentfirma SCHWARZWEISS immobilien gmbh Grundstücke mit einer Gesamtfläche von 6.204 m2 erworben. Der Kaufpreis betrug 7.804.632 Euro, wie aus dem öffentlich einsehbaren Kaufvertrag vom Oktober 2017 hervorgeht. „Das sind 1.258 Euro pro Quadratmeter für ein sehr steiles Hanggrundstück“, hält Bürgermeister Georg Willi bei der heutigen Pressekonferenz gemeinsam mit Gemeinderätin Marcela Duftner, Stv. Vorsitzende des Ausschusses für Stadtentwicklung, Wohnbau und Projekte, fest. Herzstück dieser Lokalität ist eine Villa aus dem späten 19. Jahrhundert. Zum Zeitpunkt des Kaufes wusste die Käuferin, dass eine Ausweisung als „charakteristisches Gebäude“ für die Villa bevorstand. „Dieser Umstand hätte – gemeinsam mit der Hanglage – in jedem Fall preisdämpfend wirken müssen“, erklärt Bürgermeister und Stadtplanungsreferent Willi weiter.
Für das Areal gilt ein aufrechter Bebauungsplan – dieser sieht eine Nutzfläche von 3.500 m2 vor. Beschlossen wurde er im Zusammenhang mit der Planung der neuen Hungerburgbahn, die unter dem Grundstück durchführt (zwischen Kaysergarten und dem Fußweg zum Alpenzoo). „Die damalige Besitzerin hat die Untertunnelung ermöglicht, das wurde ihr mit einer Widmung ihres Grundstückes als Bauland ‚vergoldet‘“, erklärt Bürgermeister Willi.
Der Erhalt der Villa konnte zwar rechtlich nicht durchgesetzt werden, sie kann aber auf freiwilliger Basis erhalten werden.
Stadtplanung und IGB gegen aktuelle Projektentwicklung
Das aktuelle Projekt sieht eine Nutzfläche von 5.500 m2 – also 2.000 m2 mehr – als im rechtsgültigen Bebauungsplan vor. Begründet wird das mit den Kosten des Erhalts der Villa. „Optimal wäre für die Stadt eigentlich die Erhaltung des Naturraumes an diesem steilen Hang gewesen. Dass für den damaligen Gemeinderat der Bau der Hungerburgbahn im öffentlichen Interesse schwerer wog, was die Baulandwidmung ermöglichte, ist nachvollziehbar. Dass jetzt aber die Kubatur einfach zur Profitsteigerung um weitere 57% erhöht und der Hang flächendeckend zubetoniert wird, ist es nicht mehr.“ sagt GRin Duftner.
Die Stadtplanung warnte bei diesen Dimensionen von Beginn an, dass eine Erhöhung der Kubatur nur im Zusammenhang mit einem qualitativ hochwertigen Projekt einhergehen sollte. Nach vier Diskussionsrunden im Innsbrucker Gestaltungsbeirat (IGB) wurde klar, dass die von Investor und Architekturbüro Chipperfield präferierte Terrassenstruktur, vor allem in ihrer Massivität, mit der Erhaltung der Villa nicht zusammengehen.
Die dort geplanten Wohnungen lägen an einem der besten Plätze der Stadt – mit Blick auf den Inn, den Saggen, den Hofgarten und die Berge im Süden. „Bestens geeignet für Höchstpreise am Wohnungsmarkt und für mich verbunden mit der Frage, wo der Mehrwert für die Allgemeinheit bleibt“, bringt es Bürgermeister Willi auf den Punkt. „Den Abbruch der Villa kann die Stadtplanung rechtlich nicht verhindern. Es liegt also in der Hand des Investors, ob er sie erhält, oder nicht.“
Mehrheit für Luxusprojekt?
Der Bauausschuss wurde mit dem aktuellen Projekt bereits befasst, dort zeichnete sich eine Mehrheit aus FI, ÖVP, FPÖ und SPÖ für die vorliegenden Pläne ab. Die Stadtplanung wurde im Ausschuss beauftragt, einen Akt im Sinne des Investors und des Architekturbüros Chipperfield vorzubereiten. Gemeinderätin Marcela Duftner fordert ein Umdenken: „Horrende Grundstückpreise und immer höhere Gewinne für Immobilienentwickler treiben die Wohnungspreise in Innsbruck noch weiter in die Höhe – das kann nicht im Sinne der Innsbrucker:innen sein“, betont sie. Bürgermeister Willi wandte sich mit einem Brief und einer ausführlichen Darstellung der Entwicklung des Projektes an die Mitglieder des SWP-Ausschusses und fordert ebenfalls einen Kurswechsel im Sinne einer nachhaltigen Stadtentwicklung und vor allem im Sinne der Bürger:innen: „Viele können es sich schon jetzt kaum mehr leisten, in Innsbruck zu leben. Der Gemeinderat sollte dem Entgegenwirken und nicht selbst als Preistreiber fungieren, er sollte für die Bürgerinnen und Bürger und nicht Immobilienentwickler arbeiten.“