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am 23. August

Olympia wollen wir uns nicht leisten

Uschi Schwarzl, Georg Willi - Unsere Empfehlung an die Bevölkerung ist mit „Nein“ zu stimmen. Olympische Spiele sind keine notwendige Investition in Innsbrucks Zukunft. Die Entscheidung liegt jedoch bei der Bevölkerung, ob wir uns diese Spiele leisten wollen. Falls sich die WählerInnen für eine Bewerbung aussprechen, werden wir alles tun, um möglichst nachhaltig wirkende Olympische Winterspiele sicherzustellen.

Tourismus


In Zeiten des Klimaerwärmung müssen wir den Tiroler Sommertourismus stärken. Olympische Spiele setzen nur auf immer schwächer werdende Winter. Der Werbewert von Olympischen Spielen ist kaum bzw. nicht abschätzbar und unserer Meinung nach überschätzt. In den relevanten touristischen Märkten hat Innsbruck schon jetzt hohe Bekanntheit. Auch Tirol ist als starke Marke in den europäischen Nachbarländern verankert, von dort kommen auch die meisten Gäste:

  • 27% aus Österreich

  • 47% aus unmittelbaren Nachbarländern (D, I, NL, CH, CZ, SL, HU)

  • 20% aus dem restlichen Europa

  • 6% aus Fernmärkten 

FINANZEN


Die Ausfallshaftung des Bundes ist eine Null-Nummer und muss quasi als wertlose Versicherungspolizze gesehen werden. Das finanzielle Risiko bleibt bei Stadt und Land:

„In Anbetracht der nationalen Bedeutung der Olympischen und Paralympischen Winterspiele wird der Bund prüfen, wie und in welchem Ausmaß der Bund im Rahmen einer Bundeshaftung gem § 82 BHG oder anderer Finanzierungsmöglichkeiten einen angemessenen Beitrag für die Finanzierung der Olympischen und Paralympischen Winterspiele leisten kann.“

Selbst wenn – wie in der Studie geplant – das eigentliche Veranstaltungsbudget kostenneutral sein würde, bleiben die Kosten für Infrastruktur und Sicherheit vollständig bei den Steuerzahler_innen
hängen. Kosten für Parkplätze, Öffi-Angebot, IT-Infrastruktur, Instandhaltungs- und Adaptierungskosten und die Sicherheit außerhalb der Sportstätten sind in der Machbarkeitsstudie nicht enthalten. 

NACHHALTIGKEIT


Olympische Spiele als Green-Event abhalten zu wollen ist ehrenhaft, aber praktisch nicht machbar. Das IOC diktiert die Regeln und damit dominieren Weltkonzerne und nicht die regionalen Erzeuger_innen.

Viele schöne Worte vom „Tiroler Angebot“ und den „grünen Zielvorgaben“ des IOC ändern nichts an unserer Einschätzung, dass es für Olympische Spiele nicht möglich ist, die Standards einzuhalten, die für ein „Green Event Tirol“ notwendig sind. 

STADTENTWICKLUNG


Die Bebauung des Frachtenbahnhofareals darf nicht dem Diktat des IOC unterworfen werden. Der Frachtenbahnhof ist das letzte große innerstädtische Entwicklungsgebiet – der letzte Trumpf der Stadtentwicklung. Seine Entwicklung muss sich an den Bedürfnissen künftiger Generationen und nicht an olympischen Notwendigkeiten orientieren. Die Kosten für die Entwicklung trägt nämlich jedenfalls die öffentliche Hand. 

IMAGE


Eine Imagepolitur braucht das IOC und nicht Innsbruck oder Tirol. Uns helfen kleinere, regelmäßige Sportveranstaltungen – vom Bergiselspringen über Hahnenkammrennen, Air&Style, Welt- und Europameisterschaften in verschiedenen Disziplinen bis hin zu Crankworx mehr. Das Know-How zur Durchführung von Sportveranstaltungen ist sicher hoch, aber Olympische Spiele sind nicht notwendig um dieses gewinnbringend für alle zu verwerten. 

Städte wie Innsbruck stehen vor großen Herausforderungen: Klimaschutz und Klimawandelanpassung, Energie - und Mobilitätswende, Kampf gegen die Spekulation mit Wohnraum, gutes Stadtklima im Zeichen des Wachstums. Um diese Herausforderungen gut zu meistern, brauchen wir in den nächsten Jahren alle erdenklichen personellen und finanziellen Ressourcen, die nicht durch Winterspiele - ein einmaliges Großevent - gebunden werden dürfen.

Die Grünen sind – wie alle Tirolerinnen und Tiroler – unterschiedlicher Meinung zu dieser Bewerbung. Während die Einen glauben Innsbruck-Tirol könnte es schaffen, den bisherigen Kurs des IOC radikal zu ändern und nachhaltige Spiele in vorhandenen Stätten durchzuführen, sehen die Anderen keinen Mehrwert für die Region und misstrauen dem Weltkonzern IOC. 

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Zum Artikel in der Tiroler Tageszeitung geht es hier: ​Innsbrucker Grüne empfehlen Nein