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am 21. April

Es fehlt der Fahrplan in der Bildung

Zeliha Arslan - Bildungsministerium muss handeln, damit Eltern und Kinder nicht weiter im Dunkeln tappen.

Kürzlich wurde ein grober Plan präsentiert, wie eine langsame Öffnung der Wirtschaft von statten gehen soll. Völlig plan- und strukturlos zeigt sich die Bundesregierung jedoch im Bildungsbereich: so ist es weder klar, wann die Schulen wieder ihren Vollbetrieb aufnehmen sollen, noch wie ein solcher in der praktischen Durchführung aussehen kann.


Nachdem Schüler*innen, Lehrer*innen und Eltern überfallsartig ins Homeschooling geschickt worden sind, zeigt sich nach kurzer Zeit eine erschreckende Bilanz: allein in Tirol ist zu mehreren Hundert Schüler*innen der Kontakt zur Schule völlig abgebrochen. Darüber hinaus offenbaren sich weitere gravierende Baustellen im Bildungssystem, die nun ihre konkreten Auswirkungen zeigen.


„Das Bildungsministerium lässt die gesamten Akteure des Schulsystems im Dunkeln tappen. Die Pläne, die uns bisher präsentiert worden sind, sind anhand eines Ideals konzipiert worden und haben mit der Realität wenig zu tun.“ stellt die Grüne Gemeinderätin und Bildungssprecherin Zeliha Arslan fest. Es ist eine Farce zu glauben, dass Homeschooling auch nur annähernd in der vom Ministerium angedachten Form stattfinden kann, die Realität ist geprägt von schlechten Internetverbindungen, beengte Wohnverhältnisse und Eltern, die plötzlich ohne jegliche Vorbildung von Lehrkonzepten zu Pädagog*innen werden. „Aber auch die Pläne für die Zeit nach dem Lockdown sind besorgniserregend“, so Arslan.


Gerade Innsbruck als Bildungshauptstadt Tirols ist von dieser Fehlplanung betroffen. Allem voran fehlen Konzepte, wie der Schulbetrieb konkret aussehen soll, wenn alles wieder hochgefahren ist - und zwar vom Kindergarten bis hin zur Berufsschule. An den insgesamt 95 Innsbrucker Schulen wurde es schon vor der Corona-Krise eng. Eine räumliche Teilung von Schulklassen mit bis zu 25 Schüler*innen wird eine Herausforderung. Weiters ist es realitätsfremd zu erwarten, dass Schüler*innen stundenlang mit einem Mund-Nasen-Schutz konzentriert dem Unterricht folgen können. Darüber hinaus ist völlig unklar, wie die Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel gestaltet werden soll, wenn für 28.369 Schüler*innen in Innsbruck der Schulbetrieb wieder anläuft. "In Innsbruck haben wir teilweiße 3-5 Schulen in einem Radius von 2 km. Wir brauchen deshalb gestaffelte Anfangs- und Endzeiten, damit sich die Anzahl der Fahrgäste ein wenig streuen kann", so Arslan. 


Zu den bereits genannten Problemen, tritt die Betreuung während der Sommerferien hinzu: den Aufruf von verschiedenen Politiker*innen, dass Pädagog*innen im Sommer 1-2 Wochen weiter unterrichten sollen, hält Arslan für den falschen Lösungsansatz. "Wir haben in Österreich überdurchschnittlich viele Pädagog*innen, die weit über 50 Jahre alt sind und Vorerkrankungen somit zur Risikogruppe zählen. Sie werden schon im Regelbetrieb fehlen und die einsatzbereiten Pädago*innen müssen dann auch diese Lücken stopfen", begründet Arslan die Mehrbelastung der Pädagog*innen.

 

Was es braucht sind zusätzliche finanzielle Mittel vom Bund. Der Bedarf an einer Sommerbetreuung wird sich dieses Jahr enorm steigern. Für die 9 Wochen Ferienbetreuung fallen aller Wahrscheinlichkeit die Großeltern aus, viele Eltern mussten während des Lockdowns Teile ihres  Urlaubes schon jetzt konsumieren und für die vielen Arbeitssuchenden muss die Betreuung der Kinder gewährleistet werden, damit ein zeitnaher Arbeitseinstieg erfolgen kann. „Dieser zusätzliche Bedarf an Betreuung war für keine Gemeinde bei der Budgeterstellung absehbar, deshalb muss der Bund hier Gelder zur Verfügung stellen“ appelliert Arslan.

In Innsbruck haben wir schon erfolgreiche Konzepte, wie zum Beispiel die Sommerschule vom Roten Kreuz, an deren Konzeption Arslan federführend beteiligt war. Aber auch für die Betreuung der Kinder im Elementar-Pädagogischen Bereich muss das Angebot ausgebaut werden. Für eine wieder erstarkende Wirtschaft brauchen wir eine flächendeckende und kostengünstige Ferienbetreuung, um Eltern zu entlasten und zu unterstützen.

"Wir brauchen endlich einen Bildungsminister, der nicht nur ad hoc reagiert, weil er plötzlich in der Realität ankommt, sondern einen der agiert, damit Lehrer*innen, Eltern und Schüler*innen nicht im Dunkeln improvisieren müssen", fordert Arslan abschließend.